Die Geige
Die Geige – auch Violine genannt – ist das bekannteste Streichinstrument und wird vor allem mit klassischer Musik in Verbindung gebracht. Hier wollen wir erklären, wie sie im Bereich der traditionellen Volksmusik eingesetzt wird.
Gerade in der Tanzmusiküberlieferung Bayerns und auch hier in Bayerisch-Schwaben hat die Geige ihren festen Platz. In unseren Archiven findet sich ein reicher Fundus an (Streich-) Musikhandschriften mit ländlicher Tanz- und Gebrauchsmusik aus den letzten Jahrhunderten. Der größte Teil stammt aus dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert – einer Zeit, in der Walzer, Polka und Marsch gerade modern und beliebt waren, siehe z.B. die Notenpublikation „Frisch gestrichen!“ mit ausgewählten Stücken einer Sammlung aus Marktoberdorf
Einige wenige Handschriften geben aber auch Einblick in eine Zeit ab etwa 1750, in der die Melodien noch eine ganz andere Charakteristik und auch andere formale Strukturen aufweisen, siehe z.B. die Streichmusik-Handschriften aus Thalkirchdorf im Oberallgäu oder Ziemetshausen im Landkreis Günzburg.
Meist sind in den Musikantenhandschriften nur ein- bis zweistimmige Versionen der Melodien festgehalten. Die Begleitung wurde nur selten mitnotiert. Sie erschließt sich aus der Melodie und ist so für die geübten Begleiter spontan und intuitiv ausführbar. Hier ist der Kontrabass in der Regel für die Bassstimme zuständig und spielt im Wesentlichen auf Schlag 1 des Taktes. Eine Geige oder Bratsche übernimmt die Nachschlagstimme – also die Schläge zwischen den Basstönen. Diese „Nachschläge“ bestehen meist aus Doppelgriffen, die auf den tiefen Saiten gespielt werden.
Interessant ist die Spieltechnik bei der überlieferten Tanzmusik. Die Melodie-Gebung kann von weich und mit dem Bogen nah an den Saiten gespielt bis „knackig“ und perkussiv reichen. Gerade wenn zum Tanz musiziert wird, muss eine gewisse Lautstärke erreicht werden. Das kann z.B. durch das Mitstreichen leerer Saiten erzielt werden. Gleichzeitig will man mit rhythmisch betontem, perkussivem Spiel die Tanzenden zur Bewegung zu animieren.
Die Begleitung hingegen besteht meist aus kurzen, nah am Bogen-Frosch gespielten, rhythmisch eingesetzten Akkorden. Da diese Technik auf die lange Zeit eines Tanzabends hin gesehen sehr anstrengend werden kann, gehen die Begleiter oftmals auf eine kraftsparendere Haltung über: Die Geige oder Bratsche liegt dann nicht zwischen Kinn und Schulter, sondern wird niedriger gegen die Brust gestemmt und fast senkrecht gehalten.
Natürlich können auf der Geige auch zarte, gesangliche Melodien, wie ruhige Jodler und freirhythmische Melodien gespielt werden.
Die Beratungsstelle für Volksmusik bietet einmal im Jahr ein Wochenendseminar für Streichmusik an. Es findet meist Ende Februar/Anfang März statt und wird demnächst in Roggenburg (Lkr. Neu-Ulm) angeboten.
In der Klassik und in der Volksmusik zuhause