Alphorn

Das Alphorn ist ein Blasinstrument, das aus einem knapp 4 Meter langen, konischen Rohr aus Holz (meist Fichte) mit einem gebogenen Trichter am Ende besteht. Es wird mit einem Kessel- oder Trichtermundstück geblasen, weshalb es in der Klassifizierung der Musikinstrumente zu den Blechblasinstrumenten gezählt wird. Da das Alphorn über keinerlei Ventile, Löcher, Klappen oder Züge verfügt, können darauf nur die Töne der Naturtonreihe erzeugt werden.

Das Alphorn als Musikinstrument in seiner heutigen Form bringt man hier im Bezirk sofort mit dem Allgäu in Verbindung. Neben der Viehwirtschaft und den Bergen zählt es mittlerweile zu denjenigen Aspekten, die die „Marke Allgäu“ ausmachen.

Gerne wird das Alphorn als „uraltes“ Musikinstrument des Allgäus bezeichnet, das dort seit Jahrhunderten in Gebrauch ist. Ganz so ist es aber nicht.

Natürlich gab es in den unterschiedlichen Hirtenkulturen des Alpenraumes eine Vielzahl von trompeten- und hornförmigen Blasinstrumenten aus verschiedenen Materialien (Holz, Rinde, Tierhorn, Metall). Sie wurden als Signalinstrumente genutzt, mit denen sich die Hirten verständigen oder ihre Tiere herbeirufen konnten. Auch für das Allgäu gibt es einige wenige Belege dafür, dass derartige Instrumente im Einsatz waren. Da ist z.B. von einem „Allgeyer Horn“ in einem Briefdokument aus dem Jahr 1598 die Rede. Auch ist in internationalen Instrumentensammlungen ein „Allgewisches Waldhorn“ oder ein „Allgewisch khrumbs waldthorn“ zu finden. Und in der Holzkapelle St. Anna in Rohrmoos bei Tiefenbach, nahe Oberstdorf, kann man einen Alphornspieler auf einem Altarbild sehen.

Die konkrete Nutzung des Alphorns als Musikinstrument nahm im Allgäu aber erst im Sommer 1958 ihren Anfang. Initiator der Aktion war der Musikwissenschaftler und -pädagoge Hermann Regner (1928-2008) aus Marktoberdorf. Auf seine Anregung hin wurde mit der gezielten Einführung des Instruments im Allgäu begonnen.

„Alphornbeauftragter“ wurde damals der Hindelanger Rektor Michael Bredl (1915-1999), der später hauptamtlicher Volksmusikpfleger des Bezirks Schwaben werden sollte. Noch bevor im Allgäu mit dem Alphornbau begonnen wurde, holte er die ersten Instrumente aus der Schweiz und unternahm den vorsichtigen Versuch, dem knapp vier Meter langen Instrument Töne zu entlocken.

Zunächst gab es nur eine Hand voll Leute, die sich mit dem Alphorn beschäftigten. Sie gaben die feste Devise aus, das Instrument nur auf den Bergen zu spielen, niemals im Tal oder in geschlossenen Räumen. Nach und nach fanden immer mehr Menschen Gefallen an dem Instrument und bildeten Alphorngruppen zu zwei, drei oder mehr Spielern, die mehrstimmige Alphornrufe und -weisen ertönen ließen. Während die Hirtenhörner in früheren Zeiten unterschiedlich lang waren, so war es jetzt zum Musizieren im Ensemble notwendig, dass die Instrumente dieselbe Länge und somit denselben Grundton aufwiesen. Im Allgäu etablierte sich im Laufe der Zeit die F-Stimmung, während z.B. in der Schweiz hauptsächlich in Ges gespielt wird.

Im Laufe der Jahre wurde das Alphorn immer beliebter, erlebte einen regelrechten Boom und ist heute aus dem Allgäu nicht mehr wegzudenken. Bei Alphornbläsertreffen in den 1980er Jahren standen nicht selten bis zu 300 Alphornspieler tausenden von Zuschauern gegenüber.

Heutzutage kann man das Alphorn in verschiedenen Zusammenhängen hören – nicht nur in den Bergen, sondern auch im flachen Land, nicht nur im traditionellen Kontext, sondern auch in modernen und experimentellen Stilrichtungen.