Scherrzither

Die Allgäuer Scherrzither und das Tiroler Raffele sind einfache Zitherinstrumente. Sie haben sich aus dem „Scheitholt“ entwickelt, das bereits 1619 durch den deutschen Komponisten Michael Praetorius beschrieben wurde. Somit sind sie mit einer Reihe anderer regionaler Zitherinstrumente, die es etwas in Ungarn, Slowenien oder den Vogesen gibt, verwandt.

Die Scherrzither ist im Oberallgäu überliefert. Sie hat zwei gleichgestimmte Melodiesaiten über einem Griffbrett mit diatonisch angeordneten Bünden. Dazu eine (ursprünglich auch bis zu drei) freischwingenden Bordunsaite(n), deren Ton gleichbleibt. Gespielt wird sie mit einem Plektron. Das Schlagen der Zither mit dem Plektron wird mit dem Wort „scherren“ oder „scharren“ beschrieben, das dem Instrument seinen Namen gab. Die Scherrzither ist ein diatonisches Instrument, das sich ausschließlich in der Tonart A-Dur spielen lässt. Alle Saiten sind auf den Ton e‘ gestimmt. Die Scherrzither wird üblicherweise durch eine Gitarre belgeitet.

Mitte des 20. Jahrhunderts war die Scherrzither so gut wie ausgestorben und wurde nur noch vom einem einzigen, alten Alphirten gespielt. Der Oberstdorfer Musikant Max Schraudolf ließ von diesem das Spielen auf der Scherrzither beibringen und gab dieses Wissen auch an andere weiter. In unserer Publikation „Max Schraudolf und die Scherrzither“ ist sein Einsatz für den Erhalt der Scherrzither ausführlich beschrieben. Dazu sind eine Spielanleitung und eine Reihe von Musikstücken enthalten.

In diesem Video zeigt euch Martin Kerber, wie das Spiel auf einer Scherrzither funktioniert. Diese historische Zitherform ist im Oberallgäu überliefert und wird dort immer noch gespielt.